Rassekaninchen

Rhönkaninchen

 

 

 

 

 

 

Beitrag für Kaninchen

Rhönkaninchen

Als ich im Dezember 1997 bei der letzten Bundes - Kaninchenschau in Nürnberg die dort ausgestellten 105 Rhönkaninchen betrachtete, war ich davon angetan, dass es dieser schönen Rasse gelungen ist , ihren Platz in der Vielfalt der Rassen unter Beweis zu stellen. Der Entwicklungsweg der Rhönkaninchen war nicht einfach und doch haben die wenigen Züchter, die dieser Rasse über Jahre die Treue gehalten haben , uns eine schöne , auffällige Kaninchenrasse geschaffen, die es verdient, immer wieder neue Liebhaber zu finden.

Entstehung der Rasse

Rhönkaninchen sind erst seit 1972 auf Ausstellungen zu bewundern Sie erhielten von ihrem Herhauszüchter den Namen , der den Ursprung ihres Entstehens charakterisiert.
Der Thüringer Züchter, Karl Becker aus Stadtlengsfeld im vorderen Rhöngebirge , hatte gemeinsam mit seinem Sohn in den Jahren 1970 bis 1973 diese neue Rasse herausgezüchtet. Er kreuzte dazu japanerfarbige Rheinische Schecken mit Kleinchinchilla - Kaninchen.
Dabei hat der Teilalbinofaktor der Kleinchinchilla die gelben Farbtöne der Japaner völlig unterdrückt und es entstanden Kaninchen mit einer dem Birkenstamm ähnelnden schwarzgrauen Färbung.
Karl Becker schrieb 1973 persönlich an Friedrich Joppich , dass die Farbformel der Rhönkaninchen
                                        acni bj C D G
                                        achi bj C D G  
 ist. Er schrieb weiterhin : "Ich nehme an, dass die schwarzgraue Farbe, so ist sie auch in der Rassebeschreibung angegeben gewesen, durch den vorhandenen Wildfarbigkeitsfaktor "G" kommt.
Zur Zeit kreuze ich Alaska ein , um den Wildfarbigkeitsfaktor wegzuzüchten , wodurch ich mir eine fast schwarze Zeichnung erhoffe. "  
Danach hatte er seine Rhönkaninchen zur 17. DDR -Siegerausstellung 1973 gezeigt und erzielte dann 1975 die Anerkennung für diese neue Rasse.  
Im gleichen Jahr wurden die Rhönkaninchen auch in der Zeitschrift  
" Deutscher Kleintierzüchter "in der Bundesrepublik Deutschland vorgestellt. So fanden die Rhönkaninchen zugleich in ganz Deutschland Liebhaber und interessierte Züchter.  
Heute ist der von Karl Becker herausgezüchtete Farbenschlag auch bei anderen Rassen vertreten . Auf den Ausstellungen finden wir bereits rhönfarbige Deutsche Kleinwidder, rhönfarbige Widderzwerge und auch Farbenzwerge , rhönfarbig .  
Die Rhönkaninchen werden jetzt nicht nur in den Landesverbänden der  
Bundesrepublik Deutschland gezüchtet. Sie fanden 198o Aufnahme in den Standard der sozialistischen Länder und sind auch in den Europa - Standard für die Bewertung der vom Europaverband anerkannten Kaninchenrassen aufgenommen worden .
Welche Anforderungen werden nun heute im Standard "97 an das Rhönkaninchen gestellt:

Gewicht, Körperform und Bau
Das Normalgewicht soll etwas über 2,75 Kg betragen und es ist ein Höchstgewicht von 3,25 kg vorgesehen. Der Herhauszüchter wollte damit bewusst eine kleine Rasse züchten, die einen guten Nutztyp verkörpert. Als Mindestgewicht für Ausstellungen sind 2,25 kg ausgeschrieben.
Die Körperform ist kurz gedrungen und walzenförmig . Das bedeutet, dass der Rumpf vorn und hinten gleichmäßig breit erscheint. Der Nutztyp wird durch eine ebenmäßig verlaufende Rückenlinie und eine gut abgerundete Beckenpartie unterstrichen. Kurze Läufe sind ein bestimmendes Merkmal.
Der Geschlechtscharakter wird durch den etwas feineren Bau der Häsin bestimmt. Die Häsinnen sollten, wie selbstverständlich auch die Rammler, wammenfrei erscheinen. Allerdings ist bei älteren Häsinnen ein Wammenansatz erlaubt Bei jungen Häsinnen gilt dementsprechend bereits ein Wammenansatz als ein leichter Fehler.
Hier gilt der Grundsatz, dass eine ausgeprägte Wamme bei Häsinnen als Ausschlussfehler gestraft wird.

Kopf und Ohren
Der Kopf besitzt eine breite Stirn und auch eine breite Schnauzpartie, sitzt dicht am Körper und soll keinen Hals erkennen lassen. Die Backenpartie ist ausgeprägt und lässt trotzdem die Geschlechtsunterschiede gut erkennen. Eine schmale Kopfpartie gilt als fehlerhaft . Die Ohren sollen in der Länge zum Körper passen und müssen kräftig im Gewebe sein. Dünne, schwache Ohren sind entsprechend geringer zu beurteilen.

Die Behaarung
Das mittellange, etwa 2,5 cm lange Haar soll gleichmäßig, aber auch nicht grob begrannt sein. Das Fell ist dicht und vollgriffig .
Beim Griff in das Haar spürt man die gute Begrannung. Bei der Bewertung bestimmt die dichte Unterwolle das Bewertungsergebnis.
Die Ohrenbehaarung wird, wie bei den anderen Rassen, in dieser Position beurteilt. Sie soll als gute Behaarung augenfällig sein.
Wenig behaarte Ohren sind entsprechend zu strafen.
Die zur Zeit auf Ausstellungen gezeigten Tiere besitzen eine sehr gute Haarstruktur  Allerdings muss der Dichte des Unterhaares noch größere Beachtung geschenkt werden.

Zeichnung
Bereits bei der Herauszüchtung hatte der Zuchtfreund Becker zum Ausdruck gebracht , dass die Zeichnung dem farblichen Aussehen eines Birkenstammes entspricht. Wie auch bei der Birke soll das Weiß der Grundfarbe überwiegen.
Die Zeichnung besteht aus Flecken, Streifen und Spritzern , die als graue bis schwarzgraue Zeichnungsmerkmale über den ganzen Körper verteilt sein müssen . Solche Farbausbildung fordert der Standard auch für den Kopf, die Ohren und für die Läufe . Das Fehlen der Farbflecke an einem Ohr oder an beiden Vorderläufen gilt dementsprechend als leichter Fehler . Fehlende Farbflecke am Kopf oder an beiden Ohren sind durch Ausschluss von der Bewertung zu strafen.
Ausgehend von der Darstellung der Farbbeschreibung , nach der die Zeichnung nicht analog der Farbverteilung der Japanerkaninchen sein soll, wird ausdrücklich auf den nicht erwünschten Spaltkopf hingewiesen. Der unerwünschte ausgeprägte Spaltkopf ist eine völlige farbliche Trennung in eine weiße und eine dunkle Kopfhälfte, er wird als Ausschlussfehler betrachtet.
Nun finden wir aber immer wieder Rhönkaninchen , die wie die Japaner auf der Mitte des Kopfes eine klare Farbteilung zeigen, also auf einer Seite schwarzgraue Haare, auf der anderen Seite weiße Farbfelder. Zumeist sind dann aber auf der dunkel erscheinenden Seite auch weiße Farbfelder und umgekehrt auf der helleren Seite auch dunkle Flecken. In der Praxis wird dann hier ein geringer Punktabzug bei der Bewertung unterstreichen, dass diese klare Teilung nicht erwünscht ist. Diese Erscheinung bezeichnen wir als „unterbrochener Spaltkopf".
Als Ausschlussfehler wird auch das Vorhandensein zu großer weißer oder dunkler Flecken am Körper betrachtet. Der Preisrichter hat somit bei der Bewertung der Zeichnung mit Umsicht den Grundsatz zu beachten, dass die weiße Farbe im Gesamtbild zwar überwiegen muss, dass dabei aber keineswegs die völlige Verdrängung der Zeichnungsfarbe eintreten darf.

Die Farbe
Der Standard 97 berücksichtigt bei der Darstellung der Farbe , dass die vom Herhauszüchter ursprünglich angestrebte Verdrängung der Wildfarbigkeitsmerkmale nicht vollständig erreicht worden ist. Die Zeichnungsfarbe wird deshalb als graufarbig bis schwarzgrau bezeichnet. Es wird aber auch jetzt ausgesagt, dass die Farbe intensiv sein soll. Je intensiver , desto besser und wertvoller ist die Farbe. Eine fast schwarze Färbung der Flecken wäre also das Ideal. Dabei darf es jedoch nicht vorkommen , dass auftretende graue Flecken als fehlerhaft bezeichnet werden.
Die weiße Grundfarbe soll vorherrschen.
Die Augenfarbe ist braun und die Krallen sind hornfarbig, sie dürfen entsprechend der Farbe der Läufe und der Zehen dunkler oder heller sein. Andererseits gilt aber die farblose Kralle als ein schwerer Fehler und erfordert den Ausschluss von der Bewertung.

Die Zucht der Rhönkaninchen
Obwohl diese Rasse nun bereits seit mehr als 27 Jahren gezüchtet wird , ist die Zahl der Züchter immer noch gering. Es gibt in einigen Landesverbänden Clubs , die um die Weiterentwicklung der Rasse bemüht sind und die ihren Züchtern wertvolle Hinweise vermitteln.
Die Züchter beweisen und bestätigen, dass es sich um eine sehr interessante Zucht handelt. Die Zuchttiere sind reinerbig . Eine Aufspaltung in unterschiedliche Farben erfolgt in reinerbigen Zuchten nicht. Wie auch bei anderen Abzeichenrassen darf jedoch nicht erwartet werden, dass alle Jungtiere die gewünschten Zeichnungsmerkmale entwickeln. Es gibt aber bereits Zuchten , in denen ein hoher
Anteil der aufgezogenen Tiere dieser Rasse durchaus für Ausstellungen Verwendung finden kann.
Bei der Zusammenstellung der Zuchtpaare wird der erfahrene Züchter sicher zunächst solche Tiere auswählen, die in Körperbau, Kopf, Ohren und der Behaarung, gute Voraussetzungen besitzen.
Die Anforderung an Zeichnung und Farbe sollten dann so gestaltet werden, dass niemals Tiere mit gleichen Schwächen miteinander verpaart werden. Es muss jeweils bei der Wahl der Zuchttiere ein gesundes Gleichgewicht den Ausgleich bestehender Schwächen sichern. Wenn unter solchen Umständen ein Rammler zur Zucht eingesetzt wird , der eine relativ dunkle Gesamtfärbung besitzt, muss die Häsin durch ihre weiße Grundfarbe die farbliche Ergänzung zum angestrebten Zeichnungsbild sichern. Wie bei der Zucht aller Rassen gilt auch hier, dass nur das erreicht oder verbessert werden kann, was eines der Elterntiere bereits besitzt oder wofür die dazu notwendigen Anlagen vorhanden sind.

Kein Anfänger der Rhönkaninchenzucht sollte glauben, dass er bereits beim Erwerb der Zuchttiere die Garantie dafür besitzt , um mit der Nachzucht auf Ausstellungen erfolgreich zu sein. Doch hier gilt, dass Beharrlichkeit stets zum ersehnten Ziel führt.

Diesen Beitrag wurde von den Preisrichter Herrn Alfred Franke im Februar
1999 in der Kaninchenzeitung veröffentlicht.
Rudolf Frütsch
20.02.2004